Seit 1998 ist der deutsche Strommarkt vollständig für den Wettbewerb geöffnet; ein europäischer Großhandelsmarkt für Strom ist entstanden. Strom wird nun auch an Börsen gehandelt. Die deutsche Strombörse European Energy Exchange (EEX) hat ihren Sitz in Leipzig. Dort kaufen und verkaufen derzeit 128 Handelsteilnehmer aus 16 Ländern Strom. Die Großhandelspreise an der EEX bilden sich – wie in jedem Wettbewerbsmarkt – durch Angebot und Nachfrage. Dieser Mechanismus wird bei extremen Witterungsbedingungen besonders deutlich. Beispiel: So wurden in Deutschland während des Jahrhundertsommers 2003 – unter anderem wegen der verstärkten Nutzung von Klimaanlagen – rund drei Prozent mehr Strom verbraucht als im Sommer des Vorjahres. Die Preise stiegen. Eine windreiche Wetterlage und eine gute Kraftwerksverfügbarkeit hatten im Januar 2005 zur Folge, dass das Stromangebot viel größer war als die Nachfrage. Die Preise sanken.
Die Erdgas- und Strompreise für Haushaltskunden in Deutschland liegen im europäischen Vergleich im Mittelfeld.
Deutschland ist bei der Strompreisentwicklung keine Insel: Der Blick auf andere europäische Strombörsen zeigt, dass die Entwicklung der Preise dort nahezu parallel verläuft. Trotz der weltweit gestiegenen Nachfrage nach Energie: Die Strompreise für Haushaltskunden in Deutschland liegen im europäischen Vergleich im Mittelfeld. In Ländern wie Dänemark, Italien und Portugal müssen Haushaltskunden tiefer in die Tasche greifen.
Auf dem Erdgasmarkt mit seinen 700 Unternehmen kann jeder Erdgas in den Pipelines anderer Unternehmen transportieren. Die Preise für Erdgas in Deutschland sind im europäischen Vergleich wettbewerbsfähig und brauchen keinen Vergleich zu scheuen. Denn die Erdgaspreise für die heimischen Haushalte liegen ebenfalls im europäischen Mittelfeld. Dies ergab eine Untersuchung von Energy Advice (London). So müssen die Kunden in Dänemark, Schweden oder Italien deutlich mehr für Erdgas bezahlen. Bei den Erdgaspreisen für große Industriekunden liegt Deutschland – ohne Berücksichtigung der steuerlichen Belastungen – sogar am unteren Rand des Preisspektrums. In der Europäischen Union (EU) zahlen große Industriekunden nur in Finnland weniger für Erdgas. In den meisten Ländern müssen wesentlich höhere Summen für den Energieträger aufgewandt werden. Vor allem in Dänemark, der Schweiz und Italien ist Erdgas deutlich teurer.
Benzinpreise auf Rekordniveau, steigende Erdgas- und Strompreise erregen die Gemüter in Deutschland. Die Ursachen für diese Entwicklung sind auf dem Weltmarkt zu suchen: Die steigende Nachfrage nach Energie – insbesondere in Asien – hat Folgen für den deutschen Markt. Sie beeinflusst die Erdgas und Strompreise. So ist der Grenzübergangswert, der Durchschnittspreis aller Erdgasimporte nach Deutschland, zwischen Januar 2004 und September 2005 um 43,5 Prozent gestiegen. Erdgas wurde nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 1995 bis 2004 für die privaten Haushalte um rund 40 Prozent teurer; die Preissteigerung bei Heizöl betrug im gleichen Zeitraum sogar etwa 80 Prozent.
Der weltweit steigende Hunger nach Energie treibt nicht nur die Preise für Erdgas, Kohle oder Öl in die Höhe, sondern auch für Strom. Beispiel: Etwa ein Viertel des in Deutschland erzeugten Stroms wird aus Steinkohle gewonnen. Ihr durchschnittlicher Einfuhrpreis stieg von Anfang 2004 bis Mitte 2005 um über 30 Prozent. Etwa die Hälfte der benötigten Steinkohle muss per Schiff nach Deutschland transportiert werden. Die internationalen Frachtkosten befinden sich derzeit auf äußerst hohem Niveau, das verteuert die Importe zusätzlich.
Diese betragen für Haushalte rund 40 Cent von jedem Euro der Stromrechnung. Der Staatsanteil hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. 1998, zu Beginn des Wettbewerbs im deutschen Strommarkt, betrug er nur 25 Prozent.
Konkret heißt das: Die monatliche Stromrechnung eines durchschnittlichen Dreipersonenhaushalts in Deutschland beträgt im Monat rund 54 Euro. Davon sind 21 Euro vom Staat verordnete Belastungen. Ohne staatlich bedingte Sonderlasten wären die Haushaltsstrompreise heute um 12 Prozent niedriger als 1998, die Strompreise für Industriekunden sogar um 17 Prozent.
Auch der Preis für Erdgas wird kräftig durch Steuern und Abgaben belastet. Rund 30 Prozent des Haushaltspreises gehen direkt an den Staat. Insgesamt bescheren Steuern und Abgaben dem Staat jährlich zusätzliche Einnahmen in Höhe von 4,2 Milliarden Euro – zu Lasten der Kunden. So werden allein 3,1 Milliarden Euro Erdgassteuer, darüber hinaus 0,4 Milliarden Euro Förderabgabe sowie 0,7 Milliarden Euro Konzessionsabgaben fällig – Abgaben, die sich in den vergangenen Jahren stetig erhöhten.
Gerade die Besteuerung von Erdgas als Heizstoff hat eine enorme Steigerung zu verzeichnen. Lag sie bis Ende 2002 noch bei 0,3476 Cent pro Kilowattstunde, werden nun 0,55 Cent fällig. Diese Erhöhung spült jährlich zusätzliche Einnahmen von über einer Milliarde Euro in die Staatskasse.











