Eins ist offensichtlich: Erdgas ist die wichtigste Brückenenergie im Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energien. Nicht nur weil Erdgas wenig Treibhausgase emittiert. Denn es kann in Kombination mit erneuerbaren Energien und moderner Technik wie der Kraft-Wärme-Kopplung weitere Vorteile bei Umweltfreundlichkeit und Effizienz realisieren. Mit Erdgas betriebene Brennstoffzellen erlauben darüber hinaus in Blockheizkraftwerken die dezentrale Energieversorgung von Gebäuden.
Neben den Einsatzmöglichkeiten in innovative Technik spricht die Umweltbilanz für Erdgas: Aus Erdgas lassen sich elektrischer Strom, motorische Antriebskraft und Heizwärme gewinnen – mit einem geringen Ausstoß an Treibhausgasen und Luftschadstoffen. Bei der Erdgasverbrennung entsteht kaum Ruß, weil Erdgas im Normalfall vollständig verbrennt. Deshalb stoßen die inzwischen 27.000 Erdgasfahrzeuge in Deutschland auch 75 Prozent weniger Kohlenmonoxid aus als vergleichbare Benzinfahrzeuge. Auch die Kohlendioxid-Emissionen von Erdgas sind vergleichsweise gering. Erdgas kann deshalb dazu beitragen, die im Kyoto-Protokoll vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen.
Betriebskosten sparen – mit dem Energiepass für Gebäude
Ein effizienter Energieeinsatz und die Schonung der Umwelt spielen auch auf europäischer Ebene eine wesentliche Rolle: Alle EU-Mitgliedsländer sind aufgefordert, die europäische Richtlinie „Gesamteffizienz von Gebäuden“ und die darin vorgesehenen Maßnahmen zur Energieeinsparung bis zum 4. Januar 2006 in nationales Recht umzusetzen. Artikel 7 der Richtlinie verlangt von jedem, der ein Gebäude errichtet, verkauft oder neu vermietet, einen Energieausweis – den so genannten Energiepass für Gebäude – zugänglich zu machen. Darin muss ein Kennwert angegeben sein, der die Gesamtenergieeffizienz der Immobilie ausweist und Angaben zu vergleichbaren Referenzwerten enthält. Zudem schreibt die EU-Richtlinie vor, dass dem Energieausweis Empfehlungen für kostengünstige Effizienzverbesserungen beizufügen sind.
So werden Mieter oder Käufer über die Betriebskosten informiert; die Motivation zur Einsparung von Energie wird gesteigert. Außerdem werden Investitionsanreize für Immobilien mit hoher Energieeffizienz geschaffen. Hier unterstützt die Erdgaswirtschaft die Kunden durch Beratungsangebote. Die im Energiepass vorgeschlagenen Effizienzverbesserungen können so mit moderner Heiztechnik auf Erdgasbasis und fachkundiger Hilfe umgesetzt werden.
Innovationsenergie Erdgas – schon heute mit hohem Marktanteil
Erdgas als Heizenergie: 17,8 Millionen Haushalte nutzten 2004 in Deutschland Erdgas zum Heizen – das bedeutet einen Marktanteil von 47,2 Prozent im Wärmemarkt. 75 Prozent der zum Neubau genehmigten Wohnungen werden mit Erdgas beheizt.
Dafür ist nicht allein die Umweltverträglichkeit von Erdgas der Grund: Ein wesentliches Argument für eine Erdgasheizung ist auch der geringe Platzbedarf, ein Raum für Vorratstanks wird nicht benötigt.
Zwei Millionen Haushaltskunden haben von dieser Möglichkeit bereits Gebrauch gemacht, bei den Industriekunden sind es 41 Prozent. In Deutschland gibt es rund 1.000 Stromunternehmen, die miteinander im Wettbewerb stehen. Diese Vielfalt gibt es in keinem anderen europäischen Land.
Die Liberalisierung im Jahr 1998 hat den deutschen Erdgas- und Strommarkt entscheidend verändert.
Auf dem Erdgasmarkt kann heute jedes Unternehmen Erdgas in den Pipelines der über 700 Unternehmen der Gaswirtschaft transportieren. Viele neue Wettbewerber wie BP, Gaz de France, Eni, Nuon, DONG, natGAS und Trianel bieten Erdgas in Deutschland an. Im Ferngasbereich besteht zusätzlich durch parallelen Leitungsbau Wettbewerb unter den Netzbetreibern. So können z.B. Stadtwerke oder Industrieunternehmen ihre Lieferanten frei wählen und profitieren von diesem Wettbewerb. Ein neues Netzzugangsmodell wird derzeit mit der Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde diskutiert. Die deutsche Erdgaswirtschaft wird auch für Haushaltskunden die Möglichkeit der Wahl unter verschiedenen Anbietern schaffen.
Deutschland ist aufgrund seiner geringen einheimischen Erdgasreserven auf die Lieferung ausländischer Produzenten angewiesen. Nur 16 Prozent des bei uns verbrauchten Erdgases stammen aus eigener Förderung.
Deutsche Erdgasgesellschaften sichern mit langfristigen Importverträgen die für Deutschland notwendigen Mengen über Jahrzehnte. Dafür sind sie hohe Abnahmeverpflichtungen und finanzielle Risiken eingegangen. Darüber hinaus investieren sie international sowohl in die Förderung als auch in die Transportinfrastruktur. Die immensen Kosten für die Erschließung und den Transport von Erdgas können Produzenten und Erdgasimporteure nur gemeinsam tragen. Beispiel: die Erschließung der Erdgasreserven im norwegischen Troll-Feld. Hier waren 4,1 Milliarden Euro nötig, um Förderplattformen und Aufbereitungsanlagen zu errichten – Ausgaben, die kein Erdgasproduzent alleine tragen kann. Diese Investitionen – und damit die Versorgung – werden nicht nur durch eine enge technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit, sondern ebenso durch langfristige Lieferverträge von bis zu 30 Jahren abgesichert.
Die Erdgasressourcen reichen zwar bis weit ins nächste Jahrhundert hinein, doch Erdgas muss in immer entlegeneren und unwirtlicheren Gebieten gefördert werden. Aufwändige und teure Technik ermöglicht heute Erdgaslagerstätten sowohl in Dauerfrostgebieten als auch in 2.000 Metern Wassertiefe zu erschließen. Moderne Leitungssysteme überbrücken dabei Entfernungen von über 5.000 Kilometern. Ein aktuelles Beispiel ist die Milliardeninvestition für den Bau einer Erdgaspipeline durch die Ostsee, die im September 2005 vereinbart wurde. Die Pipeline wird ab 2010 jährlich mehr als 27 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Westsibirien nach Deutschland transportieren. Gegenwärtig würde diese Menge ein Viertel des deutschen Bedarfs decken.
Die deutschen Erdgasversorger investieren aber auch im Inland. Seit 2000 flossen rund 11 Milliarden Euro in den Ausbau der Infrastruktur. Ergebnis: Die Erdgasnetze sind trotz ihrer Länge von über 380.000 Kilometern außerordentlich zuverlässig – es gibt praktisch keine Ausfallzeiten.
Trotz einer schwachen Binnenkonjunktur investieren die deutschen Unternehmen der Energiebranche auch künftig in die sichere Versorgung ihrer Kunden mit Erdgas und Strom. Das sichert Arbeitsplätze am Standort Deutschland. Eine hohe Zahl von Arbeitsplätzen, die nicht unmittelbar zur Energiewirtschaft gehören, werden erst durch sie ermöglicht – etwa im Handwerk. Durch ihre Investitionen sind Energieunternehmen zudem ein wichtiger Wachstumsmotor für andere Branchen wie zum Beispiel für Anlagenhersteller, Handwerk und Bauwirtschaft.
Die Energieunternehmen sichern nicht nur Arbeitsplätze in der Region. Sie engagieren sich darüber hinaus für die Menschen vor Ort im sportlichen, kulturellen oder sozialen Bereich sowie in der Bildung.
Kein Energieträger ist in der Lage, alle Kriterien gleichermaßen gut zu erfüllen. In Deutschland wird deshalb heute ein Energiemix eingesetzt, der sich hauptsächlich aus Kohle, Kernkraft, Erdgas und erneuerbaren Energien zusammensetzt. Nur ein ausgewogener Energiemix gewährleistet eine sichere Versorgung.
Vor- und Nachteile der Energieträger
Die Nutzung jedes einzelnen Energieträgers birgt sowohl Vor- als auch Nachteile. So ist der Einsatz von Erdgas zur Stromerzeugung mit einem geringeren CO2-Ausstoß, gleichzeitig aber mit einer vergleichsweise hohen Preissensibilität verbunden. Bei der Nutzung von Kohle hingegen muss man höhere CO2-Emissionen in Kauf nehmen, ist aber nicht an feste Transportwege gebunden. Die Nutzung der CO2-emissionsfreien Kernenergie schließlich leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und gewährleistet gleichzeitig ein hohes Maß an Versorgungssicherheit – allerdings wurde in Deutschland die politische Entscheidung getroffen, mittelfristig auf ihre Nutzung zu verzichten. Auch die erneuerbaren Energien zeichnen sich durch CO2-emissionsfreie Stromerzeugung aus. Sonne und Wind stehen aber nicht immer zur Verfügung, deshalb müssen unregelmäßige Stromlieferungen durch sogenannte Schattenkraftwerke ausgeglichen werden; in der Regel auf Basis fossiler Brennstoffe wie Erdgas. Außerdem verteuern die regenerativen Energien den Strom durch eine gesetzliche Förderumlage.
Strom: innovative und klimaschonende Erzeugungstechnologien
In den kommenden Jahren muss der deutsche Kraftwerkspark grundlegend erneuert werden. Hochmoderne Technik wird künftig den Schadstoffausstoß von Kohle- und Erdgaskraftwerken noch weiter senken. Hinzu kommen neue Kraftwerke zur Stromerzeugung aus Biomasse.
Hochmoderne Technik wird künftig den Schadstoffausstoß von Kohle- und Erdgaskraftwerken noch weiter senken.
Erdwärme (Geothermie) und Wasserkraft. Beispiele: Am Standort Schwarze Pumpe im brandenburgischen Spremberg wird 2008 die erste Pilotanlage für ein CO2-emissionsfreies Braunkohlekraftwerk entstehen. Und seit November 2003 ist in Neustadt-Glewe die erste deutsche Anlage zur Produktion von Strom aus Erdwärme in Betrieb.
Klimaschutz durch Energiesparen
Neben der effizienten und umweltschonenden Energieerzeugung legen die deutschen Energieunternehmen besonderes Augenmerk auf den sparsamen Umgang mit Strom. Das zeigt sich auch an der bundesweiten Informationskampagne „EnergieEffizienz“ der Deutschen Energieagentur (dena), mit der die Branche für den sparsameren Umgang mit Energie in privaten Haushalten wirbt.
Die Unternehmen stehen ihren Kunden als direkte Ansprechpartner zur Verfügung und bieten individuelle Beratungen über Möglichkeiten zur Energieeinsparung an. Außerdem stellen sie Informationsmaterial sowie Messgeräte zur Bestimmung des Stromverbrauchs von Haushaltsgeräten zur Verfügung.











