Kann ich das Trinkwasser der Wasserwerke Westfalen weiter verwenden?
Ja, Sie können unser Trinkwasser weiter unbedenklich für alle Zwecke verwenden – auch für die Zubereitung von Säuglingsnahrung. Der PFT-Gehalt im Trinkwasser liegt deutlich unter dem von der Trinkwasserkommission vorgegebenen Grenzwert von 0,3 Mikrogramm pro Liter und im Bereich des von den Gesundheitsbehörden empfohlenen Zielwertes von 0,1 Mikrogramm pro Liter.
Was bedeutet genau diese Bewertung von PFT durch die Trinkwasserkommission?
Die Trinkwasserkommission des Bundesgesundheitsministeriums am Umweltbundesamt hat aus toxikologischer Sicht für alle Bevölkerungsgruppen – also Säuglinge, Kinder und Erwachsene – einen Grenzwert von 0,3 Mikrogramm pro Liter für Trinkwasser festgesetzt. Es bestehen daher keine Bedenken, wenn ein Mensch lebenslang täglich zwei Liter Wasser trinkt, sofern das Wasser diesen Grenzwert unterschreitet. Da alle Experten sich aber einig sind, dass PFT überhaupt nicht in unser Trinkwasser gehört, gelten 0,1 Mikrogramm pro Liter als langfristig anzustrebender "Gesundheitlicher Orientierungswert". Diese Zahlen sind auch unter Zugrundlegung neuester Erkenntnisse im August 2007 noch einmal bestätigt worden.
Wer sitzt denn eigentlich in dieser Trinkwasserkommission, die immer genannt wird, wenn es um die Bewertung der Trinkwasserqualität geht?
Die Trinkwasserkommission (TWK) ist eine nationale Fachkommission des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) - angesiedelt beim Umweltbundesamt (UBA). Sie berät beide Behörden in allen Fragen der Trinkwasserhygiene. Die Mitgliedschaft in der TWK ist ehrenamtlich. Die Kommissionsmitglieder kommen aus universitären Einrichtungen, Landesbehörden, Gesundheitsämtern und Wasserversorgungsunternehmen. Die TWK diskutiert über aktuelle Fragen und Probleme der Trinkwasserhygiene und gibt hierzu Empfehlungen heraus, die insbesondere dem vorbeugenden Gesundheitsschutz verpflichtet sind. Die Empfehlungen der Trinkwasserkommission dienen vor allem den Gesundheitsämtern und Wasserversorgern als Handlungsgrundlage - in Ergänzung und Erläuterung der Vorgaben der Trinkwasserverordnung.
Welchen PFT-Gehalt hat MEIN Trinkwasser? Von welchem Wasserwerk stammt MEIN Trinkwasser?
Die Wasserwerke Westfalen betreiben acht Wasserwerke an der Ruhr zwischen Wickede/Ruhr und Witten. Die PFT-Messwerte unserer Wasserwerke finden Sie unter "PFT-Messwerte für unser Trinkwasser". Damit Sie wissen, welches Wasserwerk – in manchen Gebieten können es auch mehrere Wasserwerke sein – Sie beliefert, ist das jeweilige Versorgungsgebiet mit angegeben. Zusammengestellt sind jeweils statistische Kennwerte aus 2006, 2007 und 2008 (Minimal-, Maximal- und Mittelwert) sowie der zuletzt gemessene Wert.
Was unternehmen die Wasserwerke Westfalen, damit ich mein Trinkwasser weiter trinken kann?
Die Wasserwerke Westfalen haben bei bekannt werden der PFT-Problematik in ihren Wasserwerken Pulveraktivkohle eingesetzt. Dosieranlagen für Pulveraktivkohle werden als schnell einsetzbare Zusatzbarriere für Sonderfälle (sog. Feuerwehranlagen) schon seit Ende der 1980er Jahre ständig einsatzbereit vorgehalten. 2007 wurden zur weiteren Optimierung des Verfahrens vier neue Pulveraktivkohle-Dosieranlagen beschafft (Kosten: 500.000 Euro), die für einen möglichen Dauerbetrieb noch besser geeignet sind. Bei dem praktizierten Verfahren der künstlichen Grundwasseranreicherung durch Langsamsandfiltration bietet sich Pulveraktivkohle als Sofort- oder Vorsorgemaßnahme an, um unerwünschte adsorbierbare Wasserinhaltsstoffe zu entfernen. Dies wurde durch Untersuchungen der Westfälischen Wasser- und Umweltanalytik GmbH bestätigt.
Der PFT-Gehalt im Ruhrwasser und im Trinkwasser wird seit Mitte 2006 regelmäßig kontrolliert. In den Wasserwerken wird dann bedarfsgerecht Pulveraktivkohle dosiert, so dass das Trinkwasser immer den Vorgaben der Gesundheitsbehörden entspricht. Seit bekannt werden der PFT-Problematik stehen die Wasserwerke Westfalen diesbezüglich in einem engen Kontakt mit den zuständigen Wasser- und Gesundheitsbehörden.
Um die Qualität des Trinkwassers weiter zu verbessern und auch möglichen neuen Herausforderungen in der Zukunft noch besser begegnen zu können, betreiben die Wasserwerke Westfalen seit Herbst 2006 in einem Gemeinschaftsprojekt zusammen mit Gelsenwasser, den Stadtwerken Hamm und Mark-E eine Versuchsanlage zur weitergehenden Aufbereitung des Trinkwassers. Zwei Jahre lang wurden verschiedene Wasseraufbereitungsverfahren in unterschiedlichen Kombinationen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit zum Rückhalt von organischen Spurenstoffen, wie z.B. PFT, untersucht. Zu Testzwecken wurden dem Wasser Bakterien und Schadstoffe zugesetzt, bevor es in der Versuchsanlage durch vier verschiedene Versuchsstraßen lief, um unterschiedliche Aufbereitungstechniken miteinander zu vergleichen. Getestet wurden u.a. zwei unterschiedliche Membran-Filterverfahren aber auch der Einsatz von Pulver- und Kornaktivkohle, Ozon und UV-Bestrahlung zur Desinfektion.
Die Ergebnisse der Versuchsreihen wurden von verschiedenen Labors und mithilfe wissenschaftlicher Institute überprüft, die Versuchsaufbauten immer wieder verändert und angepasst. Dieser groß angelegte Versuch verhalf uns zu aktuellen, zuverlässigen und detailgenauen Daten hinsichtlich der Leistungsfähigkeit verschiedener Aufbereitungstechniken. Die Auswertungen sind fast abgeschlossen und anhand der ermittelten Ergebnisse wird in den nächsten Monaten ein großtechnisches Verfahren für den zukünftigen Wasseraufbereitungsstandard an der Ruhr entwickelt.
Wer kontrolliert denn eigentlich, dass das Trinkwasser eine gute Qualität hat?
Die Westfälische Wasser- und Umweltanalytik GmbH (www.wwu-labor.de) überwacht in unserem Auftrag intensiv die Qualität des Trinkwassers und des Ruhrwassers. Dazu werden täglich viele Proben entnommen: aus der Ruhr, aus den Filteranlagen, aus den Leitungen, die das angereicherte Grundwasser den Pumpwerken zuführen, aus dem "fertigen" Trinkwasser an den Pumpwerken, aus den Hochbehältern und an mehreren Entnahmestellen in öffentlichen Gebäuden im Versorgungsgebiet. Die Untersuchungsergebnisse werden an die zuständigen Aufsichtsbehörden, die Gesundheitsämter, weiter geleitet.
Was regelt eigentlich die Trinkwasserverordnung? Und was ist mit den Substanzen, für die dort keine Vorgaben getroffen wurden?
Kaum ein Lebensmittel wird so regelmäßig und häufig kontrolliert wie das deutsche Trinkwasser. Es muss in seiner Beschaffenheit den Anforderungen der deutschen Trinkwasserverordnung entsprechen. Diese Verordnung fußt auf EU-Recht und formuliert strenge Anforderungen an die Trinkwasserqualität. Die höchstzulässigen Konzentrationen (Grenzwerte) für Wasserinhaltsstoffe sind so festgelegt, dass auch bei lebenslanger Aufnahme keine Gesundheitsschäden zu befürchten sind.
Die aktuelle Trinkwasserverordnung wurde 2001 in Kraft gesetzt. Für Substanzen im Trinkwasser, die dort nicht aufgeführt sind - wie z.B. PFT – gibt es verbindliche Empfehlungen der Trinkwasserkommission beim Umweltbundesamt. Diese Vorgaben dienen den Wasserversorgern und Gesundheitsämtern als Aufsichtsbehörden als Handlungsgrundlage.
Man hört im Zusammenhang mit dem Trinkwasser aus der Ruhr immer etwas von der AWWR, der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr. Was verbirgt sich dahinter?
Die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (www.awwr.de) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Wasserversorgungsunternehmen, die Wasser aus der Ruhr zu Trinkwasser aufbereiten. Zurzeit hat die AWWR 15 Mitgliedsunternehmen, die insgesamt 23 Wasserwerke an der Ruhr betreiben. Die AWWR versteht sich als Ansprechpartner und Interessenvertreter für die gesicherte Trinkwasserversorgung in der Region. Dabei gilt es, die Ruhr als Rohwasserressource für eine naturnahe Wassergewinnung nachhaltig zu schützen. Die AWWR und der Ruhrverband geben jährlich einen Ruhrgütebericht heraus, um die Öffentlichkeit in ausführlicher Form über die Qualität des Ruhrwassers zu informieren.
Was sind eigentlich PFT? Wozu werden PFT genutzt?
Perfluorierte Tenside (PFT) werden von Industrie und Gewerbe in vielen Bereichen eingesetzt. PFT können z.B. in Reinigungsmitteln und Feuerlöschschaum vorkommen und finden vielfach Verwendung, um alltägliche Gebrauchsgegenstände wie z.B. Papier, Verpackungsmaterialien und Textilien Wasser abweisend auszurüsten.
Wie ist das PFT überhaupt in die Ruhr gelangt?
Hauptursache für die PFT-Konzentration sind nach bisherigen Erkenntnissen ein auf landwirtschaftlichen Flächen im Einzugsgebiet der Möhne ausgebrachter "Bio-Dünger" sowie Einträge aus Industrieunternehmen.
In der Möhne und ihren Zuflüssen sowie in der Ruhr sind im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung der Universität Bonn PFT nachgewiesen worden. Mit bekannt werden der Werte Ende Mai 2006 informierten die Wasserwerke die Behörden, die sofort aktiv wurden. Die ersten Ergebnisse wurden durch Kontrolluntersuchungen bestätigt. Die Konzentrationen von PFT sind im Bereich der Möhnetalsperre am höchsten.











