Wasser ist Leben – für Menschen, Tiere und Pflanzen. Eine Tatsache, die sich mit den Jahren im Kern nicht geändert hat. Doch mit der Entwicklung unserer Gesellschaft wurden auch neue Anforderungen an die Wasserversorgung gestellt.

 

In den Anfängen der Dortmunder Stadtbesiedelung bedienten sich die Menschen an den zahlreichen Brunnen und Quellen vor Ort, um sich mit Trinkwasser zu versorgen. Zwar liegt Dortmund an der Emscher, jedoch war ihr Wasser nie wichtig für die Wasserversorgung der Stadt. Vielmehr wurden über die Emscher bereits seit dem späten Mittelalter Abwässer beseitigt. Das Dortmunder Quell- und Brunnenwasser hingegen galt bisweilen als so außerordentlich gesund und gar heilkräftig, dass 1667 der kühne Plan angedacht war, Dortmund zum Badeort zu ernennen.

Mit Inbetriebnahme der Wasserwerke an der Ruhr im Jahr 1872 ist die Ruhr der Wasserlieferant für Dortmund.

Die EllWiRas erzeugen durchschnittlich 10 Millionen Kilowattstunden Ökostrom im Jahr.

Wasser aus dem Ruhrtal

 

Mit dem Fortschreiten der Industrialisierung reichten die Brunnen und Quellen nicht mehr aus, um den Wasserbedarf zu stillen. Eine öffentliche Wasserversorgung musste her. In Dortmund traf die Stadt diese Entscheidung am 19. Januar 1870. Im Örtchen Villigst, bei Schwerte an der Ruhr gelegen, wurden in den folgenden Monaten eine Grundwassergewinnungs- sowie eine Pumpanlage gebaut. Am 2. Oktober 1872 konnten die Dortmunder Wasserwerke ihren Betrieb aufnehmen – und seither ist die Ruhr für Dortmund der direkte Wasserlieferant.

 

Um die Versorgung leisten zu können, mussten technische Lösungen besonderer Art gefunden werden: Schließlich hatte das Wasser einen Höhenunterschied von 113 Metern und die Entfernung von gut 13 Kilometer zwischen den Ruhrauen zur Dortmunder Innenstadt zurückzulegen.

 

Im Schwerter Wald errichteten die Wasserwerke deshalb ein Ausgleichs- und ein Reinwasserbassin – verbunden mit einer Fallrohrleitung. Das Ausgleichsbassin diente im Wesentlichen der Entlüftung sowie der Überwindung des Höhenzugs des Haarstrangs. Im Berghofener Reinwasserbassin – Vorläufer der späteren zahlreichen Hochbehälter im Schwerter Wald – wurde das gewonnene Wasser gesammelt und konnte dann, der natürlichen Schwerkraft folgend, nach Dortmund fließen. Dort entstand mit der Zeit ein 50 Kilometer langes Rohrnetz zur Versorgung der einzelnen Haushalte.

 

Aufgrund der günstigen topographischen Lage ist dieses Prinzip bis heute erhalten geblieben. Lediglich für einige höhergelegene Stadtteile ist der Einsatz von Zwischenpumpwerken oder Druckerhöhungsanlagen erforderlich.

 

Anfangs wurde das Wasser vornehmlich für wirtschaftliche Zwecke genutzt. Zechen und Stahlwerke gehörten zu den Großkunden. Aber bereits 1873 verlegten die Wasserwerke probeweise auch erste private Hausanschlüsse und bereits 1876 waren die meisten Haushalte mit Wasser aus städtischen Leitungen versorgt.

 

Doch nicht nur im privaten Bereich änderte sich die Situation in Bezug auf Hygiene und Sauberkeit. Speziell im Bergbau verbesserte sich die Lage der bis dahin unter allerlei Infektionen und Parasiten leidenden Bergleute spürbar. Auch für die Feuerwehr bedeutete die zentrale Wasserversorgung eine große Erleichterung. Im Brandfall konnten sie nun ihre Schläuche an einen der 388 Straßenhydranten anschließen und hatten so jederzeit die notwendige Wassermenge wie auch den erforderlichen Druck in der Leitung verfügbar.

 

Aus Wasser mach Bier

 

Lange Zeit galt neben Kohle und Stahl das Bier als drittes wirtschaftliches Standbein und Wahrzeichens Dortmunds. Man bezeichnete sich sogar als Bierhauptstadt des Ruhrgebiets – was nicht an der Konsummenge, sondern an der Anzahl der Brauereien in der Stadt lag. Um 1900 lag die Bierproduktion in Dortmund bei zwei Millionen Hektolitern. Dabei wurde mehr und mehr das Wasser aus den städtischen Leitungen genutzt. Seine hohe hygienische und geschmackliche Qualität machten es dafür besonders geeignet. Insgesamt stiegen mit den Jahren Produktion, Verbrauch und Export immens an – und damit auch der Wasserbedarf. 

Das war eine der Schattenseiten der wachsenden Industrien entlang der Ruhr: Sie und viele ihrer Zuflüsse dienten als Energielieferant für Triebwerke oder Wassermühlen, was deren Betreiber bisweilen dazu veranlasste, das Flusswasser für Zeiten längerer Trockenperioden in sogenannten Mühlenteichen aufzustauen. Das führte am Mittel- und Unterlauf zeitweise zu einem Mengen- und Qualitätsverlust. Wasserwerks- und Triebwerksbesitzer hatten deshalb schon 1899 den Ruhrtalsperrenverein gegründet: Seine Aufgabe sollte die tägliche Sicherstellung der Wasserversorgung sein, also für einen Ausgleich von Wasserüberfluss und Wassermangel durch den Bau von Talsperren im Verlauf der Ruhr zu sorgen.

 

Doch trotz dieser ersten überregionalen Institution zur Sicherung der quantitativen Trinkwasserversorgung wurde die steigende Verschmutzung der Ruhr zu einem immer größeren Problem. Immer mehr Abwässer aus den Gemeinden und der Industrie wurden nicht nur in die Emscher, sondern auch in die Ruhr geleitet. Aber erst 1913, erzwungen durch ein preußisches Sondergesetz, kam es zur Gründung des Ruhrverbandes. Seine Aufgabe war und ist es bis heute, schädigende Einflüsse zu minimieren.

Unser Lebensmittel Nr. 1

Heute sorgen die Wasserwerke Westfalen, an denen DEW21 zu 50 Prozent beteiligt ist, sowie das Institut für Wasserforschung auf Basis der deutschen Trinkwasserverordnung dafür, dass Dortmunder Trinkwasser frei von bakteriellen Erregern sowie chemischen Stoffen in für Menschen gefährdenden Konzentrationen ist. Zur Qualitätssicherung werden täglich Proben entlang des gesamten Weges des Wassers von der Ruhr, über die Vorfilter und Grundwasseranreicherungsanlagen, die Pumpstationen, die Hochbehälter und am gesamten Rohrnetz entnommen und analysiert. Auch an den 31 Trinkwasserbrunnen von DEW21, die sich im gesamten Stadtgebiet verteilen, werden regelmäßige mikrobiologische und chemische Untersuchungen durchgeführt. Einen genauen Überblick über die Qualität des Trinkwassers können Sie sich mit unserer Trinkwasseranalyse verschaffen.

 

Trinkwasser ist nicht nur das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland, sondern gehört auch zu den gesündesten. Damit das auch in Zukunft so bleibt, werden allein die Wasserwerke Westfalen in den nächsten Jahren rund 100 Millionen Euro in ihre Trinkwassergewinnung investieren. Zusätzliche Aufbereitungsstufen sollen die optimale Vorsorge für zukünftige Herausforderungen leisten. Dazu wird der mehrstufige Prozess zu Trinkwasseraufbereitung um die Schritte Ozonung, Flockung, Mehrschichtfiltration und Aktivkohle-Stufe ergänzt. Gleichzeitig wird auf neue Verfahren zur Entsäuerung und Desinfektion des Wassers umgerüstet. Die Wasserwerke Westfalen handeln auf der Grundlage des Programms „Reine Ruhr“, in dem die Wasserversorger an der Ruhr und das nordrhein-westfälische Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz einen Standard für die künftige Aufbereitung beschrieben haben.