Ein Stromkabel ist defekt und keiner merkt’s? Wie geht das, Herr Schäfer?

Wenn in unserem rund 7000 Kilometer langen Stromnetz Reparatur- und Wartungsarbeiten durchgeführt werden, bekommen das die Kunden bereits heute gar nicht unbedingt mit. Der Grund: Schon seit 16 Jahren werden bei DEW21 und ihrer 100-Prozent-Tochter DONETZ im Niederspannungsnetz Arbeiten unter Spannung durchgeführt. Dazu gehen in jedem Fall speziell ausgebildete Monteure mit besonderer Arbeitskleidung, Helm, Gesichtsschutz und Spezialwerkzeugen zu Werke. Außerdem kommen bei diesen Arbeiten zusätzliche, ultraschnell auslösende Sicherungen zum Einsatz.

 

Was ist dann das Besondere an der Neuentwicklung?

Aus Sicherheitsgründen konnten Kabel bisher immer nur „von einer Seite her“ repariert werden, um die Gefahr von Schaltlichtbögen bei der Montage auszuschließen. Treten Schaltlichtbögen auf, kann das einerseits im Laufe der Betriebszeit negativen Einfluss auf die montierte Verbindung ausüben. Anderseits können die Auswirkungen auch das Montagepersonal gefährden, was wir in jedem Fall ausschließen wollen. Aus diesem Grund wurden Haushalte, die zwischen den Kabelarbeiten und dem nächsten Einspeisepunkt im Netz lagen, bisher während der Reparaturen für kurze Zeit stromlos geschaltet.

Mit dem neuen System können wir die Arbeiten nun auch zwischen zwei Einspeisepunkten sicher und unterbrechungsfrei durchführen.

 

Und wie funktioniert das?

Bei dem neuen Montageverfahren kommt ein Verbinder zum Einsatz, den wir in unserem Bereich Kabeltechnik eigens für diesen Zweck entwickelt haben: Echte Maßarbeit also. Mit diesem Verbinder lassen sich Muffen, Verbindungs- und Übergangsstücke im Niederspannungsnetz unter Spannung montieren. Er kann Lastströme bis zu 250 Ampere verarbeiten und garantiert dabei dauerhafte Stromtragfähigkeit.

Klingt ganz einfach, aber was musste konkret getan werden, damit die neue Technik in Betrieb gehen kann?

Bevor ein brandneues System wie dieses in der Praxis eingesetzt werden kann, ist meist mehrjährige Forschungsarbeit vorausgegangen. Im Fall unseres Muffensystems wurden die ersten Überlegungen bereits im Jahr 2009 angestellt. Dabei waren fachübergreifende Lösungsansätze gefragt, die bei uns hoch im Kurs stehen. Neben der Kabeltechnik von DONETZ war auch der Leiter des Betriebs Netze Martin Keller federführend, auch Armin Marczenke war als Leiter der Instandhaltung Stromnetze von Anfang an mit im Boot. Gemeinsam wurden von uns verschiedenste Testreihen und Prototypen entwickelt. Im Jahr 2014 konnten wir das System dann schließlich erfolgreich gemäß europäischer Norm prüfen, denn auch das gehört dazu. Für die Zertifizierung gemäß DIN-Norm, wurde die neue Technik noch mal genau unter die Lupe genommen: Funktioniert sie einwandfrei? Ist ihre Handhabung jederzeit sicher? All diese Fragen mussten zunächst positiv beantwortet werden.

Last but not least haben wir im Jahr 2015 noch verschiedenste Praxistests in unserem Netz durchgeführt, bis wir das System nun im gesamten Niederspannungsnetz von DONETZ einsetzen können. Hierzu sind auch noch einmal umfangreiche Schulungen für die Mitarbeiter eingeplant.

 

Gibt es ein Erfolgsrezept für die Entwicklung innovativer Lösungen?

Wichtig sind in jedem Fall starke und auch unternehmensübergreifende Fachkooperationen, wenn es darum geht, erfolgreich neue Wege zu gehen. In diesem Fall haben DEW21 und DONETZ das effiziente Montageverfahren gemeinsam mit Nexans entwickelt, der zu den führenden Kabelsystemherstellern gehört und mit dem unsere Unternehmen bereits seit langem gut zusammen arbeiten. In diesem Fall konnten wir gemeinsam sogar eine bislang bundesweit einzigartige Lösung auf den Weg bringen!

 

Wem nutzt das neue System?

Allen Stromverbrauchern in unserer Stadt. Wir können als Netzbetreiber damit die Ausfallzeiten für die Menschen in unserem Netzgebiet weiter reduzieren.