2015 wurde der DEW21 Kunstpreis erstmals im Dortmunder U verliehen.

Einen aktuellen Einblick in die zeitgenössische Ruhrgebietskunst liefert auch in diesem Jahr die Ausstellung zur Verleihung des elften DEW21 Kunstpreises. Auf der mehr als 1.000 m² großen Ausstellungsfläche im Dortmunder U präsentieren die 15 nominierten Künstlerinnen und Künstler ihre aktuellen künstlerischen Positionen in den Bereichen Fotografie, Installation, Skulptur, Objekt, Malerei und Klangkunst. Wer von ihnen als DEW21 Kunstpreisträger 2016 und Förderpreisträger 2016 ausgezeichnet wird, erfahren die nominierten Kunstschaffenden erst bei der Vernissage am 16. September.

 

Die Nominierten wurden aus gut 200 Bewerbungen von einer achtköpfigen Expertenjury ausgewählt. Die Ausschreibung richtete sich (wie in jedem Jahr) an Kunstschaffende, die im Ruhrgebiet geboren oder ausgebildet worden sind oder hier arbeiten. Die eigentliche Preisvergabe wird von der Jury erst direkt vor der Vernissage entschieden.

 

Der DEW21-Kunstpreis gehört mittlerweile zu den renommiertesten Auszeichnungen für bildende Künstler in NRW. Dies liegt nicht nur an der Dotierung des Hauptpreises im Wert von 10.000 Euro und des Förderpreises über 2.500 Euro, sondern auch an der mehrwöchigen Begleitausstellung.

Die Nominierten

Unter den Nominierten sind viele Künstlerinnen und Künstler, die sich mit ihren Werken bereits in der Kunstszene etabliert haben und ihre Werke in diversen Einzel- und Gruppenausstellungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen konnten. Die Bandbreite ihrer Werke umfassen Fotografien, Installationen, Skulpturen, Objekte, Klangkunst und Malereien.

  • Marta Colombo

    Die Arbeiten von Marta Colombo spiegeln ihre Leidenschaft für Geschichte und insbesondere für architektonische Überresten wider. Mit Zeichnungen und Rauminstallationen begibt sie sich auf eine Reise zwischen alter und neuer Heimat, zwischen Deutschland und Italien. Dabei schöpft sie aus eigenen Erfahrungen, die sie bei Reisen sammelte, oder die sie bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte gemacht hat. Neben historischer Architektur setzt sich Marta Colombo auch mit moderner, industrieller Architektur auseinander. Die Künstlerin beschäftigt sich intensiv mit Bildstrategien zwischen Bild, Geschichte und Raum. Dabei steht der Dialog zwischen der Dreidimensionalität des Raumes und ihren Zeichnungen und Collagen im Vordergrund. Sie lassen Beziehungen zwischen ihren Werken, dem Ausstellungsort und dem Betrachter entstehen.

  • Nadine Decker

    Die Werke der Künstlerin Nadine Decker bewegen sich im Spannungsgefüge zwischen abstrakter Formensprache und konkreten Motiven, wobei der Ausgangspunkt meist inhaltlicher und theoretischer Natur ist. Ihre aktuelle Arbeiten „How to construct a boat, that is too heavy to float but too light to sink“ und „Papierboot. Aufgefaltet“ gehen von der Idee Boot und dem damit eng verknüpften Bild des scheinbar unendlichen Meeres aus. Sie stehen exemplarisch für den Umgang mit unterschiedlichen Medien, als auch für den Kern des inhaltlichen Interesses. Der poetischen Frage des weder schwimmenden noch sinkenden Schiffs gerecht zu werden, versucht ein Schiffsbauingenieur, während die flache Bodenskulptur des in Beton erstellten Papierbootes beide Aspekte vereint, indem sie aus Papier „zu leicht“ und aus Beton „zu schwer“ ist. 

  • Jáchym Fleig

    Die Objekte von Jáchym Fleig setzen sich an sicher Geglaubtem fest und bringen bestehende Ordnungen durcheinander. Seine Werke sehen wie natürliche Organismen aus, die oft in Kolonien auftreten und keine Distanz zum Betrachter zulassen. Durch die Verbindung mit dem jeweiligen Umfeld erweitert Jáchym Fleig den traditionellen Skulpturbegriff. Der in Duisburg lebende Künstler erzeugt mit seinem Skulpturen und die durch sie aufgebrochenen Strukturen Verunsicherung beim Publikum. Die evolutionär wirkenden Plastiken lassen schnell vergessen, dass sie nicht natürlichen Ursprungs, sondern künstlerisch geschaffen sind – das strategische Kalkül des Künstler. Seine Gebilde besiedeln die Räume, wuchern wie Pilze oder Schwämme aus Böden, Wänden oder Plätzen und bringen die Ordnung öffentlicher Plätze und Museen aus dem Gleichgewicht.

  • Leonie Herrmann

    Leonie Herrmann

    Das Absonderliche im Alltäglichen zu erforschen – damit zeichnen sich die Kunstwerke der in Dortmund lebenden und arbeitenden Künstlerin Leonie Herrmann aus. In ihren Malereien und Zeichnungen befasst sie sich mit dem menschlichen Konflikt zwischen gesellschaftlichem Verhaltenskonsens und schlichtem Urinstinkt, mit sozialen Machtgefällen, alltäglichen Handlungsmustern und situativer Absurdität. Durch die Diskrepanz zwischen dem Einhalten und dem Bruch erlernter Norm heraus konfrontiert sie den Betrachter mit einer befremdlichen Bildwelt: Auf der einen Seite scheint die Situationen bekannt, auf der anderen Seite völlig unbekannt. Sie schält in ihren Werken die zivilisierte Oberfläche Schicht um Schicht ab und deckt dabei wildere und urtümlichere Bedürfnisse auf, die sie auf der Leinwand festhält.

  • Beate Höing

    Ihre Arbeiten geben Anlass zum Nachdenken über vermeintlich Harmonie und Eintracht – dieser Ansatz zeichnet die Kunstwerke der in Coesfeld geborenen Künstlerin Beate Höing aus. Ihre Kunstwerke zeigen einen poetischen, teils ironischen Blick auf Vergangenes, erzählen von Erinnerungen und Träumen – mit einem humorvollen Augenzwinkern. Ihre Arbeiten wirken auf den ersten Blick vertraut und heimelig, sie sind inspiriert von Bestandteile der Volkskunst, von Märchen und Mythen sowie Traditionen und Ritualen. Doch auf den zweiten Blick gerät diese Vertrautheit in den alltäglichen Motiven ins Schwanken. Surreale Komponenten und Irritationen schieben sich zwischen Kunstwerk und Betrachter. Die stets erwartete heimische Idylle wird als Trugbild in Frage gestellt. Dies erreicht die Künstlerin dadurch, dass sie in ihren Arbeiten Erinnerungen und aktuell Vorhandenes in einem ambivalenten Spiel aus Realität und Fiktion zusammenfließen lässt. 

  • Kirsten Kaiser

    Kirsten Kaiser, die in Hamm geboren wurde und heute in Münster lebt, hat sich mit ihren raumgreifenden Installationen, die häufig auch mit Lichtelementen verbunden sind, in der Kunstszene etabliert. So hat sie beispielsweise die Straßen-Unterführung Wilhelmstraße in Hamm gemeinsam mit ihrem Mann gestaltet. Im Rahmen der DEW21 Kunstpreis-Ausstellung wird sie ein Werk präsentieren, für das sie alte Dinge verarbeitet und in einen neuen Sinnzusammenhang gestellt hat. Styroporblöcke,die zuvor für die Installation „Island-Hopping“ zum Kulturhauptstadtjahr 2010 verwendet wurden, sind beschnitten, ummantelt und vernäht worden. Der Stoff in Form von Umzugsdecken stammt von ihrer Arbeit „keep on rolling“ aus dem Jahr 1996 für die Galerie Valeria Belvedere, Mailand. Dabei herausgekommen ist ein überdimensionierter Stöpsel, der mit abgerissener Kette als Sinnbild des Überflusses stehen kann.

  • Hanna Kier

    Als eine beständige Suche nach Querverbindungen zwischen Malerei, Skulptur und Architektur beschreibt die Künstlerin Hanna Kier ihre Werke. Grundlage ihrer Arbeiten sind präzise Beobachtungen, bei denen sie jedoch nicht die großen Zusammenhänge, sondern die kleinen überraschenden Details interessieren. Sie löst Phänomene wie Grenzen und Übergänge, Strukturen und Oberflächen, Räume und Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs, aber auch Spuren der Bearbeitung und Abnutzung aus ihrem jeweiligen Kontext und bearbeitet sie in einem künstlerischen Prozess, bis sie eine neue Gestalt bekommen.

  • Monika Lioba Lang

    Monika Lioba Lang

    Monika Lioba Lang bedient sich für ihre Werke dem Formenrepertoires der uns bekannten Erzählungsform der Märchen, die Teil unseres kollektiven Gedächtnisses sind. Dabei führt sie bewusst Brüche und Irritationen ein, die den Betrachter aus der Märchenwelt zurück in die Realität holen. So erinnern beispielsweise fliegende Tauben und Erbsen die Installation „Esprit“ zunächst an eine Grimm´sche Erzählung. Doch sind die symbolträchtigen Botschafter von Frieden und Briefnachrichten als Retter herbeigeeilt oder sabotieren sie vielmehr den anonymen Hilferuf?

  • Katharina Maderthaner

    Katharina Maderthaner

    Als humorvolle Kommentare auf Situationen des alltäglichen Lebens gelten die Kunstwerke von Katharina Maderthaner. Dabei bildet sie diese nicht ab, sondern spielt mit ihrer Absurdität und Banalität. Sie füllt ihre Werke mit Referenzen, die wiederum Referenzen von Referenzen sind. So können auch Büropflanzen zum Thema werden: Die Künstlerin bezieht die echte Pflanze auf alle Kunststoffpflanzen, die man in vielen Behörden vorfindet, die sich wiederum selbst auf gezüchtete Echtpflanzen beziehen, die wiederum ihren Bezug zum Naturreich haben. Für ihre Installationen, Bilder und Objekte reduziert und verdichtet sie erst Formen, Muster und Oberflächen. Diese werden dann mit Elementen der minimalistischen Skulptur oder der abstrakten Grafik angereichert, sodass eine weitere Verfremdung erzeugt wird.

  • Reiner Maria Matysik

    Durch den Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst zeichnen sich die Werke des in Duisburg geborenen Künstler Reiner Maria Matysik aus. Mit unterschiedlichsten Materialien erstellt er sogenannte Bionten, Modelle möglicher zukünftiger Organismen, und untersucht und kreiert deren Lebensräume. In seinen Arbeiten befasst er sich mit den Auswirkungen der Gentechnik auf die Evolution und damit auf die Zukunft von Mensch, Tier und Pflanze. Dabei hat er eine neue Gattung räumlicher Gebilde geschaffen, die über den Skulpturbegriff hinausgehen. Als hybride Organismen entstehen sie einerseits in der Auseinandersetzung mit den Klassifikationssystemen Carl von Linnés und andererseits durch Gespräche mit Wissenschaftlern aus dem Bereich der Molekularbiologie.

  • Donja Nasseri

    Donja Nasseris Werke zeichnen sich durch Experimente mit Kopien, Collagen und Schnitten, die auf den Einsatz digitaler Technik verzichten. Grundlage für ihre Arbeiten sind die materiellen Oberflächen der Fotografie, mit denen sie im weiteren künstlerischen Prozess experimentiert. Dabei stellt sie Brüche und Verschiebungen in ihren Collagen heraus, indem sie Kanten und Überdeckungen betont und nicht kaschiert. Diese werden gleichermaßen durch bekannte Strukturen durchkreuzt, sodass die Künstlerin neue Zusammenhänge schafft. Eine ihrer bekanntesten Arbeiten ist „Patterns“. In dem zwölfteiligen Werk hat sie das Dortmunder Unionviertels fotografiert und die Fotografien in neue Zusammenhänge überführt. In ihrer Arbeit spiegelt sie dadurch auch der stetige Wandel in dem Dortmunder Quartier wider.

  • Denise Ritter

    Denise Ritter ist mit ihren Klanginstallationen für den DEW21 Kunstpreis nominiert. Sie realisiert elektroakustische Kompositionen in Klanginstallationen, die ausschließlich auf Audioaufnahmen realer Klangsituationen basieren. Eines ihrer bekanntesten Projekte ist „small world wide“, das sie auch im Rahmen der DEW21 Kunstpreis-Ausstellung präsentieren wird. Aus weißen Viertelkugeln mit integrierten Lautsprechern sind Fragmente von Audioaufnahmen zu hören, die kompositorisch bearbeitet sind. Sie stammen von TeilnehmerInnen des weltweiten, partizipativen Klangkunstprojektes, für das sie zehn Audiorekorder von zehn Startpersonen um den Globus geschickt hat, um über persönliche Bekanntschaften an zehn Zielorte zu gelangen. Dabei sollen alle Zwischenstationen und Ziele akustisch dokumentiert werden – mit Aufnahmen, die für den jeweiligen Alltag oder Lebensraum charakteristisch sind. Zu hören sind u.a. Ausschnitte aus einer Lesung in Brasilien, einem privaten Abendessens in China und einem Schützenfest im Münsterland.

  • Katja Tönnissen

    Reduktionen zeichnen die Werke der Künstlerin Katja Tönnissen aus, die in Form und Farbe keine finale Gestalt annehmen zu wollen. Sie sind vielmehr ironische Dokumente des Übergangs. Von der Porträtmalerei ausgehend subtrahiert die Künstlerin persönliche Merkmale. Am Ende treten nur noch die Konturen individueller Charakteristika – wie Frisuren oder Schnurrbärte – in Erscheinung. Aneinandergereiht werden sie zu Schablonen der Selbstgestaltung und verweisen nicht länger auf Personen. Das Verfahren der Reduktion wendet Katja Tönnissen auch bei Landschaftsszenarien an. So bleiben manches Mal von einer idyllischen Landschaft lediglich eine untergehende Sonne und ein stark abstrahierter Vogel übrig, die weiterhin auf ihre atmosphärische Aura beharren.

  • Philipp Valenta

    Für seine Arbeiten, mit denen er den Begriff des „Wertes“ insbesondere im Finanzsektor hinterfragt, wurde der aus Hattingen stammende Künstler Philipp Valenta in der Vergangenheit bereits mehrfach ausgezeichnet. In seinen Werken, die von Installationen und Objekten über Performances bis hin zu Videos und Grafiken reichen, beschäftigt sich Philipp Valenta konzeptuell mit Wertschöpfungsprozessen und Verhältnismäßigkeiten, und hinterfragt diese. Er verknüpft Bezüge aus der Kunstgeschichte und aus antiken Erzählungen mit aktuellen Ereignissen aus Gesellschaft und Ökonomie. Seine Werke spiegeln dabei eine indifferente Haltung zu Themen aus den Bereichen Geld, Finanzmärkte und Luxus wider. Für eins seiner Werke hat er aus Geldscheinen die aufgedruckten Blüten, die stellvertretend für das Land oder die Region stehen, ausgeschnitten und eingerahmt – wie bei einem Herbarium. Was auf den ersten Blick wie eine einfache Herstellung von Übersicht und Ordnung aussieht, erzeugt auf den zweiten Blick eine besondere ästhetische Qualität, indem die Besonderheiten jeder Pflanze für sich gesehen werden können. So spielt Philipp Valenta mit der von Sammlung und Erhalt verschiedenster Dinge, die fast so alt ist wie die Menschheit selbst.

  • Evelina Velkaité

    In den vergangenen Jahren hat sich die aus Litauen stammende Künstlerin Evelina Velkaité bereits eine eigenständige Position in der zeitgenössischen Kunst erarbeitet. Ausgangspunkt für ihre Bilder sind häufig Fotografien von menschenleeren Industriebrachen, urbanen Architekturen oder auch Naturlandschaften. In einem malerischen Prozess reduziert und abstrahiert Evelina Velkaité diese immer weiter, bis nur noch räumliche Konstellationen und Raster übrig bleiben. Vom Bildanlass ist dadurch nichts mehr zu erkennen. In einem ständigen Prozess von Überlagern, Verdecken, Freilegen und Aufdecken konstruiert Evelina Velkaité die Bildwirklichkeiten.