Ende der 40er Jahre setzte sich die die Fernwärmeheiztechnik in Deutschland durch – so auch in Dortmund. Der damalige Oberstadtdirektor erteilte damals dem Maschinenamt (heute Hochbauamt) den Auftrag, gemeinsam mit Experten der Vereinigten Elektrizitätswerke (VEW) zu prüfen, ob sich nicht durch eine „zentrale Heizung“ in der Stadt die Zahl der Einzelfeuerstätten drastisch senken ließe.

 

Der Vorstand der VEW stimmte bereits Anfang 1946, nach Gesprächen mit der Stadtverwaltung, dem Projekt „Fernwärme“ im Grundsatz zu. Als Pilotprojekt bot sich die Brügmann-Schule an, da sie dicht am Kraftwerk Dortmund gelegen war, sie zum Berufsschulzentrum ausgebaut werden sollte und ihre komplette Heizkesselanlage kriegsbedingt zerstört war. Lediglich 100 Meter Rohrleitung waren notwendig, um einen Anschluss an das Kraftwerk Dortmund herzustellen. Am 1. September 1950 wurde mit der Stadt Dortmund der erste Wärmeliefervertrag geschlossen, und am 10. September begann die Lieferung von Heizdampf für die Brügmann-Schule.

 

Nach der Währungsreform 1948 befand sich Dortmund im Aufschwung und dem Ausbau des Fernwärmenetzes stand nichts mehr im Wege. Bergbau-, Stahl- und Bierindustrie bescherten Dortmund nahezu Vollbeschäftigung und es gab kaum einen günstigeren Zeitpunkt zur Verlegung der Rohrkanäle für Fernwärmeleitungen, da im Zuge der Neuordnung der Stadt neue Straßenzüge geschaffen bzw. vorhandene ausgebaut oder mit neuen Straßendecken versehen wurden.

 

Am 17. September 1953 konnte die Hauptleitung bis zum heutigen DEW21-Hauptverwaltungsgebäude probeweise in Betrieb gehen und die Hausstation des Stadthauses unter Druck genommen werden. In den folgenden Jahren wurden die Städtischen Kliniken, das Johannes-Hospital und ein überwiegender Teil aller Gebäude in der Innenstadt an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Von Kohle zu Erdgas

Ebenso wie die Fernwärmeversorgung einen wesentlichen Beitrag zur sauberen Luft in Dortmund leistete, wurde auch in der Fernwärmeerzeugung selbst, also im Kraftwerksbetrieb dem wachsenden Klimabewusstsein Rechnung getragen. Ein erster großer Schritt dazu wurde 1967 getan, indem das Kraftwerk Dortmund einen Erdgasliefervertrag mit der Ruhrgas AG abschloss. Dieser Vertrag erlaubte es, alle sieben Kessel des Kraftwerks in den Jahren 1967 bis 1970 auf eine Erdgas-Verfeuerung umzustellen. Daraus resultierend konnte der Kohlenlagerplatz geschlossen und die aus der Kohleverbrennung freigesetzten Emissionen von Flugasche und Schwefeldioxid eingespart werden. Außerdem reduzierte sich der Lärmpegel hörbar und die Kraftwerksbetreiber konnten in die Modernisierung der Wasseraufbereitung investieren.

Ob nah und fern

Neben dem Kraftwerk Dortmund wird seit 1993 die Fernwärmeversorgung auch durch Abwärme aus der Rußproduktion der Deutschen Gasrußwerke unterstützt.

 

Mit ihrer Gründung übernahm DEW21 im Jahr 1995 die Versorgung von mehr als 3.000 Haushalten mit Fernwärme. Ein weiterer Ausbau der Versorgung allerdings fand nicht mehr statt. Nicht zuletzt wegen des Strukturwandels im Ruhrgebiet fehlen auch in Dortmund die abwärmegebenden Industriebetriebe.

 

Im Jahr 2014 ist noch einmal sehr umfangreich in die Fernwärmeversorgung investiert worden: Gemeinsam mit RWE hat DEW21 im Kraftwerk Dortmund für 14 Mio. Euro eine moderne Vorschaltgasturbine eingebaut. Durch Kraft-Wärme-Kopplung erreicht diese Turbine im Vergleich zu älteren Anlagen ohne KWK eine CO2-Einsparung von bis zu 36.000 Tonnen pro Jahr. Diese Menge entspricht umgerechnet den CO2-Emissionen von rund 17.000 Pkw. Der Vertrag mit dem Kraftwerk Dortmund läuft derzeit noch bis 2022.