Herkunftsnachweise

Herkunftsnachweise belegen offiziell, dass Strom wirklich aus erneuerbaren Energien stammt – eindeutig, digital und fälschungssicher.

Frau hält leuchtende Glühbirne in der Hand

Was ist Herkunftsnachweis?

Ein Herkunftsnachweis ist ein elektronisches Dokument, das bestätigt, dass eine bestimmte Menge Strom – in der Regel eine Megawattstunde (MWh) – aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wurde. Er dient als offizieller Nachweis über die Herkunft und den Produktionszeitpunkt des Stroms. In Deutschland wird er vom Umweltbundesamt im sogenannten Herkunftsnachweisregister (HKNR) verwaltet. Dadurch wird sichergestellt, dass jede erzeugte Einheit grüner Strom nur einmal als solche verkauft und verwendet werden kann.

Welche Angaben enthält ein Herkunftsnachweis?

Der Herkunftsnachweis enthält folgende Pflichtangaben:

  • Art und Standort der Erzeugungsanlage
  • Zeitpunkt der Inbetriebnahme
  • Zeitraum der Stromerzeugung
  • Erzeugte Strommenge in MWh
  • Förderinformationen (z. B. EEG-Förderung)
  • Ausstellungsdatum, Herkunftsland und eindeutige Kennnummer

Zusätzlich können freiwillige Angaben ergänzt werden, etwa zur Umweltfreundlichkeit der Anlage oder zur regionalen Herkunft.

Wer stellt Herkunftsnachweise aus?

Das Umweltbundesamt ist in Deutschland für die Ausstellung und Verwaltung zuständig. Betreiber von Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen und keine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten, können Herkunftsnachweise beantragen. Voraussetzung ist, dass der Strom direkt vermarktet wird und nicht selbst verbraucht wird.

Wo werden Herkunftsnachweise gehandelt?

Der Handel erfolgt unabhängig vom Strommarkt über das Herkunftsnachweisregister. Dort können Betreiber ihre Nachweise verkaufen und Versorger diese erwerben, um ihren Strom als Ökostrom zu kennzeichnen. Auch internationale Herkunftsnachweise, beispielsweise aus Skandinavien, können über Broker importiert und im HKNR übertragen werden.

Was kostet ein Herkunftsnachweis?

Die Kosten variieren je nach Herkunft und Nachfrage. Zusätzlich fallen Gebühren für die Nutzung des Registers und ggf. für Umweltgutachter an, wenn Messdaten manuell bestätigt werden müssen.

Was ist der Unterschied zum Ökostromlabel?

Herkunftsnachweis Ökostromlabel
Bescheinigt die Herkunft des Stroms aus erneuerbaren Quellen Bewertet zusätzlich ökologische Qualität und Kriterien
Keine Aussage über Umweltfreundlichkeit der Anlage Berücksichtigt z.B. Anlagenalter, nachhaltige Biomasse
Pflichtdokument für Stromkennzeichnung Freiwilliges Qualitätssiegel für Verbraucherorientierung

Wie hängen Herkunftsnachweise und Stromkennzeichnung zusammen?

Stromversorger dürfen Strom als Ökostrom kennzeichnen, wenn:

  • Er durch das EEG gefördert wird
  • Herkunftsnachweise erworben und entwertet wurden
  • Der Strom direkt von einem Erzeuger mit entwertetem Herkunftsnachweis stammt

Die Stromkennzeichnung auf der Rechnung zeigt, wie viel des gelieferten Stroms aus erneuerbaren Quellen stammt.

Welche Kritik gibt es an Herkunftsnachweisen?

  • Doppelnutzung: Herkunftsnachweise aus Ländern wie Norwegen oder Island wurden mehrfach verwendet, obwohl sie nur einmal gültig sein sollten.
  • Virtueller Export: Strom aus Ländern ohne physische Verbindung zum europäischen Netz wird auf dem Papier exportiert.
  • Fehlende Zusätzlichkeit: Herkunftsnachweise fördern nicht automatisch den Ausbau erneuerbarer Energien, da sie auch für bestehende Anlagen ausgestellt werden.
  • Greenwashing-Risiko: Strom aus fossilen Quellen kann durch Zukauf von Herkunftsnachweisen als „grün“ deklariert werden.

Fazit: Was bringt ein Herkunftsnachweis?

Der Herkunftsnachweis schafft Transparenz über die Herkunft von Strom aus erneuerbaren Energien. Er ermöglicht es Versorgern, ihren Strom als Ökostrom auszuweisen, und bietet Anlagenbetreibern eine zusätzliche Einnahmequelle. Gleichzeitig schützt das System vor Doppelverkäufen. Dennoch ist der Herkunftsnachweis kein Garant für ökologische Qualität und kann bei unsachgemäßer Nutzung zu Greenwashing führen.


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