Die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschreibt das Verhältnis zwischen der über ein Jahr hinweg erzeugten Heizwärme und dem dafür eingesetzten Strom. Anders als andere Kennzahlen wie der COP (Coefficient of Performance), die unter Laborbedingungen ermittelt werden, basiert die Jahresarbeitszahl auf realen Betriebsdaten und berücksichtigt das gesamte Heizsystem sowie das individuelle Nutzungsverhalten.
Wie wird die Jahresarbeitszahl berechnet?
Die Berechnung erfolgt nach einer einfachen Formel:
JAZ = Heizwärme (kWh) / Stromverbrauch (kWh)
Für eine präzise Ermittlung sind zwei Messgeräte erforderlich:
- Wärmemengenzähler: Erfasst die abgegebene Wärmeenergie.
- Separater Stromzähler: Misst den Stromverbrauch der Wärmepumpe (nicht der allgemeine Haushaltsstromzähler).
Die Messung erfolgt über ein ganzes Jahr. In der Praxis wird häufig auch zwischen Raumheizung und Warmwasserbereitung unterschieden und die Werte entsprechend gewichtet.
Welche Faktoren beeinflussen die Jahresarbeitszahl?
Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt von mehreren Einflussgrößen ab:
| Einflussfaktor | Wirkung auf die JAZ |
| Vorlauftemperatur | Niedrige Temperaturen erhöhen die Effizienz. Ideal sind etwa 35 °C. |
| Wärmequelle | Konstante Quellentemperaturen (z. B. Grundwasser) führen zu höheren JAZ-Werten. |
| Gebäudedämmung | Gut gedämmte Gebäude benötigen weniger Heizenergie. |
| Klimazone | In kälteren Regionen sinkt die JAZ durch größere Temperaturunterschiede. |
| Nutzungsverhalten | Gleichmäßiges Heizen und richtiges Lüften verbessern die Effizienz. |
| Warmwasserbedarf | Hoher Verbrauch kann die JAZ senken. |
Welche Wärmepumpenarten erreichen welche Jahresarbeitszahlen?
Die Art der Wärmepumpe hat großen Einfluss auf die JAZ:
| Wärmepumpenart | Durchschnittliche JAZ |
| Luft-Wasser-Wärmepumpe | 2,5 – 3,8 |
| Sole-Wasser-Wärmepumpe | 3,5 – 4,5 |
| Wasser-Wasser-Wärmepumpe | bis zu 5 |
Wärmepumpen mit Erd- oder Grundwasser als Wärmequelle schneiden in der Regel besser ab als Luftwärmepumpen, da die Quellentemperaturen konstanter sind.
Wie lässt sich die Jahresarbeitszahl verbessern?
Eine Optimierung ist sowohl bei der Planung als auch im laufenden Betrieb möglich:
- Temperaturhub senken: Geringere Differenz zwischen Quellentemperatur und Vorlauftemperatur reduziert den Stromverbrauch.
- Hydraulischer Abgleich: Sorgt für gleichmäßige Wärmeverteilung und niedrigere Vorlauftemperaturen.
- Heizflächen vergrößern: Größere Heizkörper oder Flächenheizungen ermöglichen niedrigere Systemtemperaturen.
- Gebäudesanierung: Dämmmaßnahmen senken den Wärmebedarf und verbessern die Effizienz.
- Heizkurve anpassen: Optimierte Regelung reduziert den Energieeinsatz.
- Smartes Energiemanagement: Kombination mit Photovoltaik und intelligenter Steuerung steigert die Wirtschaftlichkeit.
Was unterscheidet JAZ von COP und SCOP?
- COP (Coefficient of Performance): Laborwert für einen bestimmten Betriebspunkt, keine Aussage über das Gesamtsystem.
- SCOP (Seasonal Coefficient of Performance): Durchschnittswert über mehrere Betriebspunkte, berücksichtigt saisonale Schwankungen.
- JAZ (Jahresarbeitszahl): Realer Effizienzkennwert über ein Jahr, inklusive aller Systemkomponenten und Nutzungsverhalten.
Warum ist die Jahresarbeitszahl wichtig?
Die JAZ ist entscheidend für:
- Energieeffizienzbewertung: Sie zeigt, wie wirtschaftlich eine Wärmepumpe tatsächlich arbeitet.
- Fördermittelbeantragung: Viele Programme verlangen eine Mindest-JAZ.
- Kostenabschätzung: Mit der JAZ lässt sich der Stromverbrauch und damit die Heizkosten berechnen.
- Systemvergleich: Sie ermöglicht die Bewertung unterschiedlicher Wärmepumpenarten und Heizsysteme.
Fazit
Die Jahresarbeitszahl ist ein aussagekräftiger und praxisnaher Effizienzkennwert für Wärmepumpenanlagen. Sie zeigt, wie wirtschaftlich und umweltfreundlich ein Heizsystem tatsächlich arbeitet – nicht unter Laborbedingungen, sondern im realen Betrieb über ein ganzes Jahr. Eine hohe JAZ bedeutet weniger Stromverbrauch, geringere Heizkosten und eine bessere Klimabilanz.
Wer eine Wärmepumpe plant oder betreibt, sollte die Jahresarbeitszahl nicht nur kennen, sondern aktiv beeinflussen: durch eine sorgfältige Planung, die Wahl der passenden Wärmequelle, eine gute Gebäudedämmung und eine optimierte Heizungsregelung. So lässt sich das volle Potenzial der Wärmepumpe ausschöpfen – für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit im eigenen Zuhause.