Marktkommunikation

Marktkommunikation beschreibt den standardisierten Datenaustausch zwischen allen Akteuren der Energiewirtschaft und sorgt für einen reibungslosen, sicheren und effizienten Ablauf zentraler Prozesse.

Frau hält leuchtende Glühbirne in der Hand

Marktkommunikation – Was bedeutet sie für die Energiewirtschaft?

Die Marktkommunikation beschreibt den standardisierten elektronischen Datenaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren im Energiemarkt. Sie ist ein zentrales Element für die Organisation und Abwicklung von Geschäftsprozessen in der Strom- und Gasversorgung und bildet die Grundlage für einen funktionierenden Wettbewerb und eine sichere Energieversorgung.

Wer ist an der Marktkommunikation beteiligt?

Die Marktkommunikation umfasst eine Vielzahl von Rollen, die jeweils spezifische Aufgaben übernehmen. Dazu zählen unter anderem:

Marktrolle Abkürzung Aufgaben
Bilanzkreiskoordinator BIKO Koordination der Bilanzkreisabrechnung im Strommarkt
Bilanzkreisverantwortlicher BKV

Energie- und Finanzausgleich in Strom und Gas

Lieferant LF Versorgung von Marktlokationen mit Energie
Messstellenbetreiber MSB Betrieb und Wartung von Messeinrichtungen
Netzbetreiber NB Durchleitung und Verteilung von Energie, Sicherstellung der Netzstabilität  
Übertragungsnetzbetreiber ÜNB Betrieb des überregionalen Stromnetzes
Energieserviceanbieter ESA Einspeisung steuerbarer Energieeinheiten ins Netz
Umweltbundesamt UBA Überwachung umweltrelevanter Aspekte der Energieerzeugung

Wie funktioniert die Marktkommunikation technisch?

Die Kommunikation erfolgt über festgelegte Datenformate und Übertragungswege. Ursprünglich wurde das Format EDIFACT verwendet, die Übertragung erfolgte per E-Mail. Heute kommen moderne Protokolle wie AS4 zum Einsatz, die eine sichere, verschlüsselte und signierte Datenübertragung ermöglichen.

Die Formate und Prozesse werden regelmäßig von der Bundesnetzagentur und dem BDEW aktualisiert. Die technische Umsetzung erfolgt über Plattformen wie edi@energy, die zentrale Regelungen zur Datenübertragung bereitstellen.

Was sind typische Prozesse in der Marktkommunikation?

Die Marktkommunikation regelt eine Vielzahl von Prozessen, die für die Energieversorgung und -abrechnung relevant sind:

Prozess Abkürzung Bereich Beschreibung
Kundenbelieferung mit Strom GPKE Strom Netzzugang und Stromlieferung an Endkunden
Lieferantenwechsel Gas GeLi Gas Gas Wechselprozess im Gasmarkt
Wechselprozess im Messwesen WiM Strom/Gas Gerätewechsel und Messdatenerfassung
Bilanzkreisabrechnung Strom MaBiS Strom Abrechnung zwischen Marktakteuren
Bilanzierung Gas GaBi Gas Gas Ausgleichs- und Bilanzierungsprozesse
Erzeugende Marktlokationen MPES Strom Zuordnung von Erzeugungsanlagen zur Direktvermarktung
Herkunftsnachweisregister HKNR Strom Verwaltung von Herkunftsnachweisen
Netzstabilität (Redispatch 2.0) Redispatch 2.0 Strom Steuerung von Kraftwerkskapazitäten zur Vermeidung von Netzengpässen

Wie entwickelt sich die Marktkommunikation weiter?

Die Marktkommunikation unterliegt einem kontinuierlichen Wandel. Jährliche Anpassungen – etwa durch die MaKo 2022, 2023 und 2024 – bringen neue Anforderungen und technische Umstellungen mit sich. Beispiele:

  • Einführung neuer Rollen wie des Energieserviceanbieters
  • Trennung von Strom- und Gasprozessen
  • Integration intelligenter Messsysteme
  • Steuerung technischer Ressourcen über §14a EnWG
  • Verkürzung des Lieferantenwechsels auf 24 Stunden ab Juni 2025

Was sind Lokationsstrukturen und warum sind sie wichtig?

Zur besseren Abbildung komplexer Netzstrukturen wurden zwei Konzepte eingeführt:

  • Lokationsbündel: Zusammenfassung mehrerer Markt- und Messlokationen, z. B. bei Windparks
  • Marktlokationsstruktur: Detaillierte Zuordnung einzelner Verbrauchsstellen zum Netz

Diese Strukturen verbessern die Übersichtlichkeit, erleichtern die Kommunikation und optimieren die Energieverteilung.

Wie unterstützt die Cloud die Marktkommunikation?

Moderne IT-Lösungen wie die MaCo-Cloud ermöglichen eine automatisierte und systemunabhängige Abwicklung der Marktkommunikation. Vorteile:

  • Reduzierung von IT-Kosten und Wartungsaufwand
  • Trennung von Geschäfts- und Marktprozessen
  • Nutzung moderner UI-Technologien wie SAP FIORI
  • Integration in SAP S/4HANA Utilities

Was bedeutet Marktkommunikation für Energieunternehmen?

Für Energieversorger ist die Marktkommunikation ein zentraler Bestandteil ihrer täglichen Arbeit. Sie ermöglicht:

  • Automatisierte Abwicklung von Lieferantenwechseln
  • Korrekte Abrechnung von Energiemengen
  • Qualitätssicherung und Fehlerdiagnose
  • Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und Fristen

Fazit: Warum ist Marktkommunikation unverzichtbar?

Die Marktkommunikation ist das Rückgrat der digitalen Energiewirtschaft. Sie sorgt für:

  • Transparenz und Effizienz im Energiemarkt
  • Reibungslose Zusammenarbeit aller Marktpartner
  • Schnelle Anpassung an regulatorische Änderungen

Zukunftsfähigkeit durch Integration moderner Technologien


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