Netzentgelt

Die Netzentgelte sind ein fester Bestandteil des Strompreises und finanzieren den Betrieb sowie den Ausbau der Stromnetze. Sie beeinflussen maßgeblich, wie hoch die Stromkosten für Verbraucher und Unternehmen ausfallen.

Frau hält leuchtende Glühbirne in der Hand

Netzentgelt – Was steckt hinter den Stromgebühren?

Das Netzentgelt ist ein zentraler Bestandteil des Strom- und Gaspreises. Es handelt sich um eine Gebühr, die für die Nutzung der Energieversorgungsnetze erhoben wird. Diese Entgelte sichern den Betrieb, die Wartung und den Ausbau der Netzinfrastruktur – und damit die zuverlässige Versorgung mit Energie. 

Wie setzen sich Netzentgelte zusammen?

Die Netzentgelte bestehen aus: 

  • Grundpreis (z. B. Euro/Monat) 
  • Arbeitspreis (z. B. Cent/kWh) 
  • Messentgelten für Messung und Messstellenbetrieb 

Diese Komponenten werden vom Energieversorger auf der Stromrechnung separat ausgewiesen.

Was bestimmt die Höhe der Netzentgelte?

Die Höhe der Netzentgelte wird nicht vom Netzbetreiber frei festgelegt. Stattdessen gelten folgende Regelungen: 

  • Bundesnetzagentur und Landesregulierungsbehörden legen jährlich eine Erlösobergrenze fest. 
  • Diese basiert auf geprüften Kosten für Betrieb, Wartung und Ausbau der Netze. 
  • Die Netzbetreiber dürfen durch Netzentgelte nicht mehr verdienen, als ihnen durch die Erlösobergrenze erlaubt ist. 

Die Regulierung erfolgt im Rahmen der Anreizregulierung, die Effizienzsteigerungen fördern soll.

Wie wird das Netzentgelt berechnet?

Die Berechnung erfolgt in mehreren Schritten: 

  1. Kostenprüfung durch Wirtschaftsprüfer 
  2. Effizienzvergleich zwischen Netzbetreibern (Methoden: DEA & SFA) 
  3. Festlegung der Erlösobergrenze für fünf Jahre 
  4. Umrechnung in Netzentgelte je Spannungsebene und Netzfunktion 

Dabei werden auch nicht beeinflussbare Kosten berücksichtigt, z. B. Konzessionsabgaben, gesetzliche Vorgaben oder Investitionen in Erdkabel. 

Warum unterscheiden sich Netzentgelte regional?

Die Höhe der Netzentgelte variiert je nach Region aufgrund:

  • Bevölkerungsdichte: Weniger Verbraucher = höhere Kosten pro Kopf 
  • Netzzustand: Ältere Netze verursachen mehr Wartungskosten 
  • Stromentnahme: Geringe Nutzung = höhere Kosten pro kWh 

Besonders hohe Netzentgelte gab es bisher in Nord- und Ostdeutschland, während westdeutsche Stadtregionen oft niedrigere Entgelte aufweisen.

Was hat sich durch die Reform ab 2025 geändert?

Die Netzentgeltreform 2025 sorgt für eine gerechtere Verteilung der Netzkosten:

  • Regionen mit hohen Belastungen durch den Ausbau erneuerbarer Energien werden entlastet. 
  • Die Kosten werden bundesweit verteilt. 
  • Im Schnitt sanken die Netzentgelte um 4,2 %. 
  • Rund 10 Millionen Haushalte profitieren, vor allem in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Thüringen. 

Zukünftig könnten auch Stromeinspeiser wie Besitzer kleiner PV-Anlagen an den Netzkosten beteiligt werden. 

Was sind vermiedene Netzentgelte?

Diese wurden früher für dezentrale Einspeisung gezahlt, z. B. bei Kraft-Wärme-Kopplung. Ziel war es, Netzkosten zu senken. Seit 2020 sind sie für volatile Erzeugungsanlagen (z. B. Wind, Sonne) abgeschafft, da sich zeigte, dass dezentrale Einspeisung oft zusätzlichen Netzausbau erfordert. 

Wie hoch sind die Netzentgelte aktuell?

Jahr  Durchschnittliches Netzentgelt Strom Anteil am Strompreis
2023  3,12 ct/kWh ca. 25 % 
2024  6,43 ct/kWh  ca. 25 % 
2025  10,9 ct/kWh (kleine Verbraucher)  ca. 28 %

Die Bundesregierung hat Zuschüsse beschlossen, um die Netzentgelte zu stabilisieren – z. B. 12,84 Mrd. € im Jahr 2023 für die Übertragungsnetze. 

Fazit: Warum sind Netzentgelte wichtig?

Netzentgelte sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Energieversorgung. Sie finanzieren den Betrieb und Ausbau der Netze und sichern die Versorgungssicherheit. Durch staatliche Regulierung und Reformen wird versucht, die Kosten gerecht und transparent zu gestalten – für Verbraucher, Unternehmen und die Energiewende.


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