• 24.02.2026 |
  • Franziska Haase |
  • 6 Min.  Lesezeit  |

Wie kommt Strom nach Hause in die Steckdose?

Strom ist für uns heute so selbstverständlich wie fließendes Wasser – aber woher kommt er eigentlich? Was sich auf den ersten Blick anhört wie ein Fall für „Die Sendung mit der Maus“ ist aber in Wahrheit gar nicht so banal. Denn tatsächlich ist der Weg des elektrischen Stroms vom Erzeuger zur heimischen Steckdose einen nähere Betrachtung wert. In diesem Beitrag erfahren Sie daher alles Wichtige über Stromquellen, das deutsche Stromnetz und den Weg der Energie vom Kraftwerk bis in Ihre vier Wände.

Wie funktioniert das Stromnetz in Deutschland?

Das deutsche Stromnetz ist eines der zuverlässigsten der Welt – und dabei gleichzeitig hochkomplex. Denn es verbindet tausende Stromerzeuger mit Millionen Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Die Grundlage für das heutige Netz wurde bereits im frühen 20. Jahrhundert gelegt, damals vor allem für große Industriezentren. In den 1990er-Jahren wurde der Strommarkt liberalisiert. Seitdem dürfen nicht mehr nur einzelne Konzerne Strom erzeugen und verteilen – auch kleinere Anbieter oder Betreiber von Wind- und Solaranlagen speisen heute Energie ein. 

Stromerzeugung: Viele Quellen, ein Ziel

Deutschland setzt auf einen Energiemix. Ob Windkraft an der Küste, Solaranlagen auf dem Hausdach oder konventionelle Gaskraftwerke – all diese Anlagen speisen Strom in das gemeinsame Netz ein. Das erfordert Koordination und Ausgleich, denn Sonne und Wind liefern nicht rund um die Uhr gleichmäßig Strom. In Zukunft wird die dezentrale Erzeugung durch Haushalte mit eigenen Solaranlagen und Batteriespeichern noch wichtiger. 

Transport über weite Strecken: Das Übertragungsnetz

Damit der Strom, der beispielsweise im hohen Norden Deutschlands erzeugt wird, auch im Süden ankommt, braucht es sogenannte Übertragungsnetze. Diese Hochspannungsleitungen transportieren den Strom mit bis zu 380.000 Volt über große Distanzen. Zuständig dafür sind die vier großen Übertragungsnetzbetreiber: Amprion, TenneT, 50Hertz und TransnetBW. 

Verteilung vor Ort: Das Verteilnetz

Vom großen Übertragungsnetz wird der Strom in Umspannwerken „heruntertransformiert“ und ins regionale Verteilnetz eingespeist. Hier übernehmen lokale Netzbetreiber wie wir bei DEW21 in Dortmund die Versorgung. In Wohngebieten fließt der Strom mit einer Spannung von 230 Volt über Hausanschlüsse und Stromzähler direkt zu Ihnen nach Hause. 

Netzstabilität: Warum das Gleichgewicht so wichtig ist

Das Stromnetz muss jederzeit im Gleichgewicht sein: Produktion und Verbrauch müssen exakt übereinstimmen. Schon kleine Abweichungen können zu Schwankungen führen – deshalb überwachen Netzbetreiber in Echtzeit, wie viel Strom gebraucht und eingespeist wird. Bei Bedarf können sie Erzeuger drosseln oder flexible Verbraucher zuschalten. 

Intelligente Netze & digitale Steuerung

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wächst auch die Bedeutung digitaler Steuerung. „Smart Grids“ nutzen Sensoren und intelligente Messsysteme, um Netzbelastung, Einspeisung und Verbrauch in Echtzeit zu erfassen. Dadurch lassen sich Stromflüsse besser lenken – etwa wenn viele Haushalte gleichzeitig Solarstrom einspeisen oder E-Autos laden wollen. 

Aus welchen Quellen kommt der Strom in Deutschland?

Der Strom, der aus Ihrer Steckdose kommt, stammt nicht aus einer einzigen Quelle – sondern ist Teil eines großen Energiemixes, der sich Jahr für Jahr verändert. In Deutschland spielen dabei sowohl erneuerbare als auch konventionelle Energieträger eine Rolle. Besonders in den letzten Jahren ist der Anteil an grüner Energie stark gestiegen. 

Rund 50 % des in Deutschland erzeugten Stroms stammt mittlerweile aus erneuerbaren Energien – also aus Quellen wie Windkraft, Solarenergie, Biomasse oder Wasserkraft. Vor allem Wind- und Solaranlagen liefern heute einen erheblichen Beitrag zur Stromversorgung. Ihr Anteil schwankt jedoch je nach Wetterlage und Jahreszeit. 

Daneben werden aber auch konventionelle Kraftwerke weiterhin genutzt, insbesondere Gaskraftwerke, in geringerem Maße auch Steinkohle- oder Braunkohlekraftwerke. Diese können vor allem dann einspringen, wenn Wind und Sonne nicht genug liefern. Atomstrom spielt in Deutschland seit dem Ausstieg im Jahr 2023 keine Rolle mehr. 

Für Verbraucher ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, aus welcher Quelle der Strom im eigenen Haushalt stammt, denn im Stromnetz wird alles zusammengemischt. Wer jedoch auf Ökostromtarife setzt, kann sicherstellen, dass die entsprechende Menge Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt und eingespeist wird. Diese Stromkennzeichnung ist gesetzlich geregelt und hilft dabei, eine bewusste Wahl zu treffen. 

Wie kommt der Strom jetzt in die Steckdose?

Nachdem der Strom erzeugt wurde, durchläuft er mehrere Stationen, bevor er bei Ihnen zu Hause ankommt: 

  • Hochspannung (bis 380.000 Volt): Der Strom wird in Kraftwerken erzeugt und mit sehr hoher Spannung ins Übertragungsnetz eingespeist. Der Grund: Je höher die Spannung, desto geringer die Energieverluste beim Transport über weite Strecken. 
  • Mittelspannung: In Umspannwerken wird die Spannung reduziert – auf etwa 10.000 bis 30.000 Volt. Auf dieser Ebene wird der Strom in Industriegebiete oder größere Stadtteile verteilt. 
  • Niederspannung (230 Volt): Für Haushalte ist diese Spannung entscheidend. Ein weiteres Umspannwerk senkt den Strom auf das bekannte Niveau – und über lokale Verteilerkästen und Hausanschlüsse gelangt der Strom über Leitungen und Kabel in Ihre Wohnung. 
  • Hausinstallation: Im Zählerschrank wird der Stromverbrauch erfasst; anschließend fließt die Energie über Sicherungen und Stromleitungen zu Steckdosen und Lichtschaltern. Jetzt steht Ihnen der Strom zum Kochen, Heizen, Surfen oder Fernsehen zur Verfügung 

Fazit: Vom Kraftwerk bis zur Steckdose – ein zuverlässiges System

Wenn Sie den Lichtschalter drücken, passiert im Hintergrund eine ganze Menge. Der Strom kommt aus verschiedenen Quellen, wird intelligent verteilt und sorgfältig überwacht. Netzbetreiber, Energieversorger und moderne Technik sorgen dafür, dass alles sicher funktioniert – damit bei Ihnen zu Hause zuverlässig Licht brennt, der Kühlschrank kühlt und das WLAN läuft. Diese Infrastruktur macht unseren modernen Alltag erst möglich. Sie sehen also: die Antwort auf die einfache Frage „Wie kommt Strom in die Steckdose?“ ist komplexer, als man denkt.  

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