Heizen mit Photovoltaik Wie sinnvoll ist das?
Die Energiewende ist in vollem Gange und macht auch vor dem heimischen Heizkeller nicht halt. Immer mehr Menschen in Deutschland wollen unabhängig von fossilen Brennstoffen werden; das gilt sowohl für Strom als auch fürs Heizen. Und wer sich mit dem Thema näher beschäftigt, stößt auch auf diese Option: das Heizen mit Photovoltaik. Aber wie genau funktioniert das eigentlich? Welche Technologien kommen zum Einsatz, welche Vorteile gibt es – und lohnt sich das Ganze wirklich? All diese Fragen werden wir in diesem informativen Beitrag beantworten.
Das Wichtigste in Kürze
- Mit einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) lässt sich nicht nur Strom für Haushaltsgeräte erzeugen, sondern auch mit einer elektrischen Heizung Wärme und Warmwasser gewinnen.
- Am effizientesten funktioniert das in Kombination mit einer Wärmepumpe oder einem Stromspeicher
- Durch die Kombination einer Photovoltaikanlage und einer elektrischen Heizung können langfristig Heizkosten und die Abhängigkeit von Strompreisen sowie von fossilen Brennstoffen reduziert werden.
So funktioniert Heizen mit Solarstrom
Beim Heizen mit Solarstrom wird der überschüssiger Strom, der von der PV-Anlage erzeugt wird, zur Erzeugung von Wärmeenergie genutzt. Dies geschieht zum Beispiel entweder direkt über einen Nachtspeicher oder indirekt über Wärmepumpen. Überschüssiger Strom kann zusätzlich zum aufladen der Stromheizung genutzt werden, wodurch die Kosten nochmals sinken.
Ein weiteres mögliches Verfahren ist der Einsatz eines Heizstabs, der den Strom in einem Pufferspeicher nutzt, um Wasser für das Heizsystem oder für Warmwasser zu erwärmen. Auch Elektroheizungen können direkt mit Solarstrom betrieben werden – das ist jedoch meist nur in sehr gut gedämmten Gebäuden sinnvoll.
In Deutschland liefert Photovoltaik etwa 900–1.100 kWh/kWp*a, aber davon nur rund 20 % in den Wintermonaten, genau dann wenn Heizleistung gefordert wird. Batteriespeicher kommen daher in genau diesen Monaten bei korrekter Dimensionierung der Anlagen stärker zum Einsatz.
Die Einheit kWh/kWp*a (Kilowattstunden pro Kilowattpeak und Jahr) setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:
- kWh = erzeugte Energie
- kWp = Nennleistung der PV-Anlage
- a = pro Jahr
Welches Heizsystem eignet sich am besten in Kombination mit PV?
Theoretisch kann jede elektrische Heizung von einer PV-Anlage profitieren. In der Praxis haben sich jedoch folgende Kombinationen als besonders effizient erwiesen:
- Wärmepumpe
Die Wärmepumpe gilt als derzeit beste Lösung. Sie nutzt die Umweltwärme und benötigt lediglich Strom für den Betrieb. Wird dieser aus der privaten Photovoltaikanlage gespeist, lassen sich Heizkosten senken. Besonders effizient, bei großen Heizflächen, ist die Kombination mit einer Fußbodenheizung, da diese mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeitet. -
Elektroheizung
Elektroheizungen, wie Nachtspeicher oder Elektrofußbodenheizungen, profitieren durch die direkte Nutzung des Solarstroms, können aber auch mit überschüssigem Solarstrom ausgeladen werden. -
Solarthermie
Im Gegensatz zur Photovoltaik nutzt die Solarthermie die Sonneneinstrahlung zur Wassererwärmung. Eine Kombination beider Systeme kann sinnvoll sein – allerdings muss dies im Heizwasserkreislauf berücksichtigt werden.
Warum ist Heizen mit Solarstrom sinnvoll?
Das Heizen mit Photovoltaik ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz – es bringt auch wirtschaftliche Vorteile mit sich. Durch die eigene Stromerzeugung sinken die Energiekosten, die Unabhängigkeit vom Strommarkt wächst und langfristig macht man sich weniger abhängig von politischen oder weltweiten Krisen. Insbesondere in Kombination mit effizienten Heizsystemen wie Wärmepumpen lässt sich der Eigenverbrauch des Solarstroms optimal steigern – und damit auch der wirtschaftliche Nutzen.
Steigende Effizienz von Wärmepumpen
Moderne Wärmepumpen arbeiten heute deutlich effizienter als noch vor wenigen Jahren. Viele Geräte erreichen Jahresarbeitszahlen (JAZ) von über 4 – das heißt: Aus einer Kilowattstunde Strom erzeugen sie vier Kilowattstunden Wärme. In Kombination mit Photovoltaik wird der Strombedarf dieser Anlagen zum Großteil durch eigenen Solarstrom gedeckt. Das senkt nicht nur laufende Betriebskosten, sondern steigert auch die Umweltfreundlichkeit des gesamten Heizsystems. Wärmepumpen sind zudem einfach mit PV-Anlagen zu kombinieren und sind mittlerweile auch für alte Bestandsgebäude geeignet
Photovoltaikanlagen werden günstiger
Die Preise für Solarmodule, Wechselrichter und Montagesysteme sind in den letzten Jahren stark gesunken – das macht den Einstieg in die eigene Stromproduktion einfacher denn je. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus lassen sich heute leistungsfähige Anlagen bereits ab rund 10.000 Euro realisieren. Auch Stromspeicher sind günstiger geworden, was die Möglichkeit erhöht, den erzeugten Solarstrom zeitversetzt zu nutzen – etwa für das morgendliche oder abendliche Heizen.
Bei einem Einfamilienhaus mit einem Speicher von 5–10 kWh belaufen sich die Kosten (Stand 12/25) heute häufig auf 700–1.000 € pro kWh (Tendenz fallend). Mit steigender Anlagenleistung sinken außerdem die Kosten pro erzeugter Kilowattstunde, was den wirtschaftlichen Betrieb weiter verbessert.
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Unabhängigkeit von steigenden Öl- und Gaspreisen
Gerade in den letzten Jahren sind die Preise für fossile Brennstoffe wie Heizöl oder Erdgas stark gestiegen – und Prognosen zeigen, dass diese Entwicklung anhalten oder sich sogar verschärfen könnte. Wer auf eine Photovoltaiklösung setzt, reduziert seine Abhängigkeit von diesen Preisentwicklungen erheblich. Gleichzeitig ist Solarstrom kalkulierbar und unterliegt keinen internationalen Krisen oder Förderkürzungen. So gewinnen Hausbesitzer langfristig Planungssicherheit.
Erneuerbare Energie für mehr Klimaschutz
Mit jeder erzeugten Kilowattstunde Solarstrom werden CO₂-Emissionen eingespart. Besonders in Verbindung mit einem effizienten Heizsystem wie der Wärmepumpe entsteht eine echte Win-Win-Situation: Die Wärmeversorgung erfolgt nahezu emissionsfrei – und überschüssiger Strom kann für andere Zwecke im Haushalt genutzt oder gespeichert werden. Im Gegensatz zur Verbrennung von Öl oder Gas ist Solarenergie vollständig erneuerbar und steht über Jahrzehnte zuverlässig zur Verfügung. Damit leistet das Heizen mit Photovoltaik einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der nationalen und internationalen Klimaziele – und bringt gleichzeitig das gute Gefühl, aktiv an der Energiewende mitzuwirken.
Herausforderungen und Grenzen
Trotz aller Vorteile gibt es auch Herausforderungen:
- Die PV-Anlage produziert vor allem tagsüber Strom, während Heizwärme oft abends und nachts benötigt wird. Ein Stromspeicher kann hier helfen – verursacht aber zusätzliche Kosten.
- In sonnenarmen Monaten (Herbst/Winter) reicht der Solarertrag allein meist nicht aus. Es wird zusätzlicher Netzstrom oder ein alternatives Heizsystem benötigt.
Der Wärmebedarf sollte möglichst effizient gedeckt werden – etwa durch gedämmte Gebäude, Niedertemperaturheizungen oder ein durchdachtes Energiemanagement.
Fazit
Heizen mit Photovoltaik ist eine nachhaltige Möglichkeit, Strom und Wärme aus einer Hand zu erzeugen – besonders, wenn das Gesamtkonzept stimmt: gut gedämmte Häuser, moderne Heizsysteme wie Wärmepumpen und ggf. ein Stromspeicher. Die Kombination spart Kosten, reduziert den CO₂-Ausstoß und steigert die Unabhängigkeit vom Energiemarkt. Ob sich die Investition lohnt, hängt vom eigenen Stromverbrauch, der Größe der Anlage, dem Standort und der bestehenden Heiztechnik ab – ein individueller Vergleich ist daher unbedingt empfehlenswert.




















